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Weihnachtsausstellung
am 11.11.2022 um 19:00 Uhr im Löwenpalais

Koenigsallee 30 – 32
14193 Berlin

"Wake me up when September ends" Tusche, Acryl, 120 x 80 cm, 2022
"Wake me up when September ends"
Tusche, Acryl, 120 x 80 cm, 2022

Du kennst das Gefühl, allein unterwegs zu sein, in Gedanken versunken? Doch plötzlich stellst du fest, dass dir seltsame Kreaturen folgen, Fabelwesen dich anschauen oder Frauengestalten dich stumm beobachten. Du schaust dich um und siehst nur welke Blätter an knorrigen, verwurzelten Ästen winken.
Regen tropft leise auf die Blätter am Boden und legt die feinen, schmalen Glieder einer Hand frei. Es werden mehrere liegend ineinander verschlungene Körper deutlich sichtbar. Scheinbar hunderte Arme und Beine liegen verknotet im Gras.
Die Regentropfen füllen langsam ein rostiges Gefäß mit Wasser. Es raschelt im Gebüsch und ein Vogel hüpft hervor und trinkt daraus.
In einer liegenden Kaffeemaschine sonnt sich ein Käfer. Drähte und Kabel umklammern Äste und Steine. Ein Kampf der Natur mit den Maschinen. Ein Schuppen knurrt leise im Wind, verlassen und kaum noch bewohnbar. In einer Baumgabelung sitzt ein unbekanntes Tier und beobachtet dich. Seine Augen verändern ihre Blickrichtung mit dem Wechsel des Lichts.

Plötzlich tauchen zwei weibliche, entblößte, Körper auf. Die prallen Formen leuchten im Sonnenlicht. Die Feuchtigkeit des nachlassenden Regens lässt die Leiber glänzen. Ein Lachen schallt durch die Wipfel der Bäume. Die Pflanzen präsentieren ihre feucht glänzende Gestalt. Sie entblättern sich und breiten ihre Gliedmaßen aus. Die Natur zeigt sich in ihrer vollen Pracht.

Diese Entdeckungen, den „nature releases“ verbinden sich mit persönlichen Stimmungen und aufgesogenen atmosphärischen Eindrücken zu einer eigenen Formensprache. Diese Konglomerate und Motive aus in Wurzeln, Böschungen, Baumstämmen, altem Schrott, elektrischen Geräten und Tierkadavern bilden die Motive, welche auf den Bildern dargestellt wird.

Die Werke bewegen sich stetig an der Grenze zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, sie agieren an der Grenze zum (Wieder)Erkennbaren, an der sich spannungsreiche Kontraste von fester und auflösender Form, von organischen Details und atmosphärischen Stimmungen, von räumlichen Ausschnitten und zeitlichen Dimensionen, von Konkretem und Imagination auftut. Auf diese Weise können Assoziationsspielräume entstehen, die zwischen Phantasie, Erinnerung und auch Kritik changieren.

"Rage against the machine - strange dreams in a lost place" Tusche, Pencil, Acryl, 150 x 100 cm, 2022
"Rage against the machine - strange dreams in a lost place"
Tusche, Pencil, Acryl, 150 x 100 cm, 2022
"Lazy Sunday afternoon. At the old lost place." Tusche, Pencil, Acryl, 150 x 100 cm, 2022
"Lazy Sunday afternoon. At the old lost place."
Tusche, Pencil, Acryl, 150 x 100 cm, 2022

In den Kompositionen werden Ereignisse und Begegnungen aus der Natur und Kunstgeschichte dramatisch und bühnenmäßig inszeniert. Arrangiert werden diese „releases“ mit üppigen, wogenden und wellenden Formen.
Teilweise entlehnt aus barocken Jagdszenen und inmitten des unvermeidlichen Hirschmotivs aus der Biedermeier Epoche befindet sich der Betrachter inmitten eines frivolen und oberflächlichen Treibens.
Im Rokoko galten die Ideale der Liebe eines Individuums und der Natur als Zufluchtsort eines erträumten Arkadiens.
Die Thematik der Arbeiten basieren vor allem auf der Beobachtung, dass es nicht mehr allein darum gehen kann, natürliche Formen-Ressourcen zu verarbeiten, vielmehr das an sie herangetragene und zum Teil in sie eingedrungene, künstlich bzw. industriell Geschaffene bildnerisch aufzugreifen und in seiner spannungsvollen Symbiose mit der Natur aufzuzeigen.

Für mich und die Betrachter meiner Bilder will ich dabei besonders Eines – Natur bewusst und auf subtile Art neu erfahrbar machen. Daran ist die Hoffnung geknüpft, auch den Blick für Vorhandenes, unmittelbar vor uns Liegendes jedoch oft Übersehenes sensibilisieren zu können.

"at the glade" Tusche, Acryl, 100 x 80 cm, 2022
"at the glade"
Tusche, Acryl, 100 x 80 cm, 2022
"Ruins on the mountainside" Tusche, Acryl, 80 x 100 cm, 2022
"Ruins on the mountainside"
Tusche, Acryl, 80 x 100 cm, 2022
See english version below

Meine Malerei und Grafik bewegt sich stetig an der Grenze zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, wobei in erster Linie die Natur bis hin zur ihren kleinsten strukturellen Einheiten als indirekter Motivlieferant und Inspirationsquelle fungiert.

Für mich und die Betrachter meiner Bilder will ich dabei besonders Eines – Natur bewusst und auf subtile Art neu erfahrbar machen. Daran ist die Hoffnung geknüpft, auch den Blick für Vorhandenes, unmittelbar vor uns Liegendes jedoch oft Übersehenes sensibilisieren zu können

Nicht die Ferne ist folglich Ziel oder Ausgangspunkt, sondern das Verständnis für die Welt als eine Form des Mikrokosmos, der vor uns liegt und gedanklich wie gefühlsmäßig entdeckt werden kann und will. Wandelbare Realitäten haben ihre Zeichen hinterlassen, natürliche Formen und Prozesse sich wie Chiffren auf den Flächen eingeprägt.

Ästhetische Reize, Merkwürdigkeiten, Widersprüche, die den natürlichen Ressourcen innewohnen, machen das spannungsreiche Potential der Motivwelt aus, auf welches sich meine künstlerische Tätigkeit stützt. Wiederholt greife ich dabei auch auf Details zurück, wie Wurzeln, Böschungen, Baumstämme oder Tierkadaver, alte Rohre, Abfall, Müll, Schrott, die in Verbindung mit persönlichen Stimmungen und aufgesogenen atmosphärischen Eindrücken dann im Bild zu einer eigenen Formensprache finden. Weitere Reizpunkte sehe ich vor allem im Agieren an der Grenze zum (Wieder)Erkennbaren, an der sich spannungsreiche Kontraste von fester und auflösender Form, homogener und kontrastierender Farbnuancen, von organischen Details und atmosphärischen Stimmungen, von räumlichen Ausschnitten und zeitlichen Dimensionen, von Konkretem und Imagination auftun. Auf diese Weise können Assoziationsspielräume entstehen, die zwischen Phantasie, Erinnerung und auch Kritik changieren.

My painting and graphics are constantly moving on the borderline between concreteness and abstraction, whereby nature, right down to its smallest structural units, functions first and foremost as an indirect source of motifs and inspiration.

For me and the viewers of my paintings I want one thing in particular – to make aware of and experience nature in a new and subtle way. I hope to sensitise the eye to what exists and, although directly lying in front of us, often being overlooked.

Consequently, it is not the distance that is the goal or the starting point, but the understanding of the world as a form of the microcosm that lies ahead of us and that can and wants to be discovered both intellectually and emotionally. Changeable realities have left their mark, natural forms and processes have become engraved on the surfaces like ciphers.

Aesthetic stimuli, oddities, contradictions inherent in natural resources make up the exciting potential of the world of motifs on which my artistic activity is based. Repeatedly I resort to details like roots, embankments, tree trunks or animal carcasses, old pipes, garbage, scrap metal which in connection with personal moods and absorbed atmospheric impressions find their own language in the picture. It is precisely the perceptible tension that develops between real and imagined images that stimulates me to this form of painting and graphic art. I see further points of attraction above all in acting at the border of the (re)recognizable, where exciting contrasts of fixed and dissolving form, homogeneous and contrasting colour nuances, of organic details and atmospheric moods, of spatial sections and temporal dimensions, of practice and imagination open up. In this way, the space for associations can be created that oscillates between fantasy, memory and also criticism.